Von Selbitz in die Welt: SPD-Abgeordneter Klaus Adelt blickt mit Stadträten hinter die Fassade der Lindner Group.

14. Januar 2019

Selbitz. Wer an dem von außen recht unscheinbar wirkendem Bürogebäude inmitten des Wohngebietes vorbeigeht, ahnt nicht, dass sich darin die Niederlassung einer weltweit operierenden Firma befindet.

SPD-Landtagsabgeordneter Klaus Adelt hat deshalb gemeinsam mit der Selbitzer SPD-Stadtratsfraktion wortwörtlich hinter die Fassade des Unternehmens geblickt. Das 1965 in Arnstorf bei Passau als kleiner Handwerksbetrieb gegründete Unternehmen, die Lindner Group, ist heute nämlich ein weltweit gefragter Spezialist für Innenausbau und Fassaden mit rund 7.500 Beschäftigten und 1,2 Mrd. Euro Jahresumsatz – sei es der komplette Innenausbau der Aida-Flotte, die neue Fassade des Hybrid-Hochhaus T-Rex in Frankfurt, oder der Ausbau der al-Haram Moschee in Mekka.

Fa. Lindner
Waren sichtlich beeindruckt; v.l.n.r.: Helmut Färber, Helmut Färber, 2. Bürgermeister, Philipp Hohberger, Stadtrat, Büroleiter Stefan Burkel, Wolfgang Pade, Klaus Adelt, MdL, und Margit Zink-Brunner, SPD-Fraktionsvorsitzende.

In Selbitz sitzt ein 18köpfiges auf Fassaden spezialisiertes Planungsbüro des niederbayerischen Firmenkonsortiums. Dessen Leiter, Stefan Burkel, pendelt regelmäßig zwischen Selbitz und England. „Durchschnittlich jede zweite Woche bin ich in der Londoner Niederlassung, auf Baustellen oder in Meetings.“ Kein Wunder, denn so manch imposante Fassade der Londoner City entstand als 3D-Modell auf den Rechnern in Selbitz. Hochhäuser mit dreißig Stockwerken und mehr, Projekte im zweistelligen Millionenbereich – allein die Fassaden wohlgemerkt. Von Selbitz hinaus in die Welt – langweilig wird den Selbitzer Planern jedenfalls nicht. Klaus Adelt freut es. Der Abgeordnete fragte, was aus Sicht des Unternehmens für den Standort Selbitz spricht. Das sei einerseits das vorhandene Knowhow gewesen, denn alle Mitarbeiter des Büros stammen aus der Region, andererseits war es aber vor allem die Internetverbindung. „Ohne Glasfaser wären wir nicht hier“, sagt Burkel klipp und klar. Regelmäßige Videokonferenzen, das Versenden hochkomplexer 3D-Modelle von A nach B, die via Livestream in Videochats bearbeitet werden – ohne schnelles Internet wäre das unmöglich, so der Büroleiter. Generell gefällt es der Belegschaft am Standort. „Die Räumlichkeiten sind groß, es ist ruhig, man ist schnell auf Arbeit und die Auftragsbücher sind voll“. Seit September habe man sogar einen Auszubildenden und ginge es nach Burkel, könnte das Büro personell weiterwachsen. Allein, es mangelt an qualifiziertem Personal. Der Fachkräftemangel ist auch im Frankenwald angekommen und deshalb suche man nach weiteren Auszubildenden.

Alles in allem zeigt sich Burkel aber zufrieden. Allerdings bereitet ihm der Brexit angesichts zahlreicher Großprojekte in England Kopfzerbrechen. Man spüre in London die Ungewissheit, viele Projekte laufen mit angezogener Handbremse. Kommt der harte Brexit, kommt der Deal von Theresa May oder bleibt Großbritannien sogar in der EU? Die Kundschaft ist verunsichert. „Meine tägliche Morgenlektüre ist der Brexit“, so der Fassadenspezialist. Für ihn – das ist klar – wäre der harte Brexit fatal. Das wirft uns um mindestens fünf Jahre zurück, weil einfach gar nichts mehr geregelt wäre.“ Dabei geht es nicht nur um seine Großbaustellen, sondern fängt bei banalen Dingen wie der Auslandskrankenversicherung an.

Dem stimmte Klaus Adelt zu. Für ihn ist der Brexit gerade mit Blick auf die bevorstehenden Europawahlen ein mahnendes Beispiel was auf dem Spiel steht. „Wir brauchen Europa mehr als uns bewusst ist. Die EU ist mehr als die Summe aller Gurkenkrümmungen, sie bedeutet Wohlstand, Frieden und hat auch ganz konkrete Auswirkungen auf Unternehmen mit Niederlassungen in der Region.“ Für Selbitz jedenfalls sei die Lindner-Zweigstelle ein echter Gewinn, findet der Abgeordnete. „Über solche Firmen und engagierte Fachkräfte im Ort kann man sich nur freuen.“

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