„Rote Radler“ erkunden Hof

07. September 2018

Über 3000 Kilometer hat Markus Rinderspacher seit 2010 auf seinem Fahrrad quer durch den Freistaat zurückgelegt. Kürzlich kamen für den Vorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion bei bestem Radlerwetter 30 weitere Kilometer hinzu, als er auf Einladung von Klaus Adelt im Landkreis Hof Station machte.

Station 1: Fa. ROHLEDER in Konradsreuth

In Konradsreuth startete die Tour bei der Firma Rohleder. Das Traditionsunternehmen ist mit seinen 190 Mitarbeitern die weltweit führende Weberei bei Heimtextilien. Darauf ist Geschäftsführer Hans Schüssel sichtlich stolz, denn diese Position zu halten angesichts der Konkurrenz aus China und der Türkei sei ein immerwährender Kampf, den man nur bestreiten kann, wenn man der Beste ist. Und das ist Rohleder Dank beständiger Investitionen in Ideen und Technik. „Wir haben die höchste Qualität in der Branche und eines der besten Designteams Europas, das in Kooperation mit internationalen Künstlern und Grafikern täglich zwischen 2 und 3 Designs fertig kreiert und damit nicht selten Trends setzt“, erläutert Schüssel. Dass es dafür adäquates Personal braucht, liegt auf der Hand – und ist das Problem. „Es wird immer schwieriger, die Leute zu bekommen, die wir brauchen.“ Adelt und Rinderspacher kennen das aus vielen anderen Unternehmensbesuchen im ländlichen Raum. Für den SPD-Fraktionsvorsitzenden ist deshalb der Ausbau der Infrastruktur nichts anderes als Industriepolitik. Das sieht Adelt genauso: „Wir brauchen in unserer Region mehr guten Wohnraum und vor allem anständige Verkehrsverbindungen in die Ballungsräume. Ohne das wird der Kampf um die Köpfe immer schwieriger“. Über die Konradsreuther Firma ist Adelt voll des Lobes: „Man spricht ja immer sehr schnell von Vorzeigeunternehmen – bei Ihnen ist das aber mehr als gerechtfertigt.“

Station 2: Bioland-Bauernhof Rödel

Rote Radler 2018
Biolandwirt Rödel erläutert den SPD-Politikern den Ablauf des Betriebes.

Die zweite Station führte die „roten Radler“ auf den Bioland-Bauernhof der Familie Rödel nach Oberkotzau. Wie überall macht auch den Rödels die andauernde Trockenheit schwer zu schaffen. Die millionenschweren Finanzhilfen von Bund- und Land halten die Rödels zwar prinzipiell für richtig, nicht aber deren Verteilung. „Diejenigen, die gut gewirtschaftet haben, gehen leer aus, während diejenigen die auf volles Risiko gesetzt haben nun unterstützt werden. Wenn es eine Dürrehilfe gibt, so müsse diese angesichts der flächendeckenden Schäden über alle Kulturen auch an alle Betriebe gleichermaßen ausgereicht werden, jede andere Verteilung sei Wettbewerbsverzerrung“, ärgert sich Michael Rödel. Auf die Frage Rinderspachers, was die SPD für den Ökolandbau tun kann, fordert Michael Rödel zwei Dinge: Erstens, die Umkehrung der Beweispflicht. Demnach müssen Biobauern den Nachweis erbringen, dass es nicht Ihre Schuld ist, wenn bspw. chem. Pflanzenschutzmittelrückstände auf ihren Feldern entdeckt werden – nicht aber der Verursacher, der konventionelle Landwirt. Zweitens, vor allem weniger Bürokratie. Letzteres kann Adelt gut nachvollziehen. Häufig seien aber dem Gesetzgeber die Hände gebunden. „Wenn wir im Landtag Gesetze verabschieden, dann haben die häufig 3 oder 4 Seiten. Wenn sie dann durch das Ministerium durch sind mit all ihren Verordnungen hat ein und dasselbe Gesetz auf einmal 40 Seiten anstatt 4. Das ist ein Punkt, da muss man nachbessern.“

Station 3: Digitales Gründerzentrum

Dritte und letzte Station führte an das Digitale Gründerzentrum Einstein1 an die Hochschule Hof. Dessen Geschäftsführer Hermann Hohenberger erläuterte den Gästen (roten Radlern) seine Arbeit, die neben der Errichtung des neuen Gebäudes und der Gründungsberatung vor allem darin besteht, kreative Köpfe, IT’ler, Macher und Unternehmer zusammenzubringen um dadurch neue Synergien zu erzeugen.

Dabei beschreitet das Team des Gründerzentrums auch unkonventionelle Wege, etwa ein Speed Dating. zwischen Unternehmen und Startups. Gerade im Raum Hof gibt es nach Aussage Hohenbergers viele Start Ups und junge Unternehmen, von denen kaum jemand weiß und die bereits Millionenumsätze machen. Herausforderung sei, dass viele dieser Gründer sich gegenseitig noch nicht gut kennen. In Berlin – dem derzeitigen Start-Up Hotspot – sei das anders. Und so versteht Hohenberger sich und das Gründerzentrum in erster Linie als Ansprechpartner für Gründer und Gründungsinteressierte und: Als Netzwerker für die Region.

So unterschiedlich die Stationen waren, so unterschiedlich die Themen, die zur Sprache kamen. Genau darum aber geht es Rinderspacher auf seiner „Roten Radler Tour“ quer durch Bayern: „Die Menschen und das Land, die Herausforderungen vor Ort kennen lernen und diese mitnehmen nach München“. Dorthin geht es für Rinderspacher aber erst über Umwege. Die nächste Etappe seiner Tour de Bayern führen ihn erst einmal nach Aschaffenburg – an das andere Ende von Bayern.

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