„Es geht auch anders als viel und billigst.“

18. September 2020

Artgerechte Tierhaltung und die Situation in Deutschlands Schlachthöfen sind durch den Tönnies-Skandal verstärkt in den Fokus gerückt. Die SPD-Abgeordneten Ruth Müller und Klaus Adelt machen sich vor Ort ein Bild über alternative gangbare Wege.

Dass es auch anders gehen kann und gehen muss, davon sind die SPD-Landtagsabgeordneten Ruth Müller und Klaus Adelt überzeugt. Die Landshuter Politikerin und agrarpolitische Sprecherin der BayernSPD-Landtagsfraktion war deshalb auf Einladung Adelts zum Informationsbesuch im Hofer Land.

Nach einer Besichtigung des Hofer Schlachthofs ging es nach Gumpertsreuth auf den Bauernhof der Familie Markstein. Von dort aus bezieht Metzgermeister Rüdiger Strobel seine Strohschweine, für die er bereits mehrfach ausgezeichnet worden ist. Gemeinsam mit Strobel, dem Veterinärmediziner Dr. Hermann Meiler und dem Hausherrn Rainer Markstein tauschten sich die beiden Abgeordneten über die Zukunft bayerischer Schlachthöfe und artgerechte Tierhaltung aus. Für Ruth Müller ist klar, dass sich so ein Skandal wie bei Tönnies nicht wiederholen darf. „Es kann nicht sein, dass Deutschland hier Niedriglohnland ist und Beschäftigte derart ausgebeutet werden.“ Angesichts des jüngsten Vorstoßes der Staatsregierung den Bau neuer kommunaler Schlachthöfe zu fördern, fragte sie in die Runde, inwieweit sich die Strukturen ändern müssten. „Ich wäre schon froh, wenn alles so bleiben würde, wie es ist“, meinte Strobel mit Blick auf Oberfranken und verwies auf die vielen kleinen Metzgerschlachthöfe in der Region wie in Helmbrechts oder Kronach. Dem stimmte auch Dr. Hermann Meiler zu. Kleine Schlachthöfe oder mittelständische Betriebe wie in Hof hätten eigentlich die ideale Größe. Doch gerade diese Betriebe würden stark unter den immerwährenden Preisdruck leiden. Angesichts dessen wäre ein Förderprogramm für laufende Investitionen in bestehende Betriebe sinnvoller als ein Programm für neue Schlachthöfe, fasste Müller zusammen und versprach Unterstützung.

Strohschweine2020
v.l.n.r.: Ruth Müller, MdL, Rüdiger Strobel, Klaus Adelt, MdL, Rainer Markstein und Dr. Hermann Meiler. Bild. Leitl

Was die Tierhaltung betrifft, wünscht sich Meiler, dass die Spaltenböden gänzlich verboten werden. Durch seine Arbeit als Veterinär habe er immer wieder gesehen, was die Haltungsformen beim einzelnen Tier ausmacht. Der Vorkämpfer für die Schweinestrohhaltung hofft auf die vor einem Jahr beim Bundesverfassungsgericht eingereichte Normen-kontrollklage des Landes Berlin. Das Land hält zentrale rechtliche Anforderungen an die Schweinehaltung in der deutschen Landwirtschaft für verfassungswidrig. „Bei der Strohhaltung haben die Tiere mehr Platz, zeigen keine schmerzhaften, tierschutzrelevanten Haltungsschäden wie bei der einstreulosen Beton-Vollspaltenbodenhaltung und sind viel glücklicher. Dem Stroh gehört die Zukunft." Das sieht Metzgermeister Strobel ähnlich: „Die Art der Haltung macht bei der Qualität des Produkts eine Menge aus. Strohhaltung ist zwar zeit- und arbeitsintensiver und kostet am Ende Metzger und Kunde entsprechend mehr, das sollte es uns aber wert sein.“

Bei der anschließenden Besichtigung der Stallungen zeigten sich die beiden Abgeordneten zufrieden. Für Klaus Adelt ist der Hof der Familie Markstein „ein echter Vorzeigebetrieb“. Artgerechte Tierhaltung, kleinteilige Strukturen im Schlachtbetrieb und regionale hochwertige Endprodukte zeigen seiner Meinung nach: „Es geht auch anders als viel und billigst“.

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